{"id":67,"date":"2022-09-04T15:50:00","date_gmt":"2022-09-04T15:50:00","guid":{"rendered":"https:\/\/mnbucher.com\/blog\/2022-camino-de-santiago\/?p=67"},"modified":"2022-09-05T15:50:54","modified_gmt":"2022-09-05T15:50:54","slug":"tag-6-puente-la-reina","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mnbucher.com\/blog\/2022-camino-de-santiago\/2022\/09\/04\/tag-6-puente-la-reina\/","title":{"rendered":"Tag 6: Puente La Reina"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/mnbucher.com\/blog\/2022-camino-de-santiago\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/img_4696-1024x768.jpg\" class=\"wp-image-66\" srcset=\"https:\/\/mnbucher.com\/blog\/2022-camino-de-santiago\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/img_4696-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/mnbucher.com\/blog\/2022-camino-de-santiago\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/img_4696-300x225.jpg 300w, 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den n\u00e4chsten berg hoch. nach etwa 2 stunden der erste halt. ein kleiner kiosk. war richtig hart bis hierher. muss auf die toilette aber ist nix offen da sonntag. kaufe mir brot und k\u00e4se f\u00fcrs mittagessen. die f\u00fcsse schmerzen so fest. laufe weiter und das gebiet wird karger. was ist der unterschied zwischen karg und trocken? kann etwas karg, aber nicht trocken sein? die sonne blinzelt \u00fcber vertrocknete sonnenblumenfelder. irgendwann geht der aufstieg los auf den grossen berg f\u00fcr den heutigen tag. 350 h\u00f6henmeter. definitiv 350 zu viel f\u00fcr meine beine. auch der r\u00fccken schmerzt. auf dem berggipfel treffe ich auf meinen schnarchenden mexikaner aus mexico city. er gibt mir ein paar datteln. hat er aus saint jean mitgeschleppt. ich erz\u00e4hle ihm vom halben kilo haferflocken aus saint jean. wir lachen beide. francesco holt mich ein. wir beschliessen zu zelten heute nacht. ich laufe den steilen berg runter. die knie beginnen unglaublich weh zu tun. ich \u00fcberlege, was ich alles heimschicken k\u00f6nnte und probiere das gewicht auszurechnen, welches ich sparen w\u00fcrde. hinter mir ein p\u00e4rchen aus montana, kanada (glaube ich). sie lernen eine andere aus montana kennen, erkennen sich durch den dialekt. einer ihrer vier s\u00f6hne ist ingenieur. sie ist sehr stolz auf ihn. ich denke zur\u00fcck an das p\u00e4rchen beim aufstieg auf den berggipfel vor ein paar stunden. sie hatten den gleichen rucksack, den gleichen schlafsack und die gleiche trinkflasche mit einem karabiner genau gleich montiert. liefen nebeneinander und gaben sich abwechselnd h\u00e4ndchen, klopften sich gegenseitig auf den hintern und schiessten eine handvoll selfies auf dem aufstieg. pures abenteuer hier, muss man schon festhalten. durch den karabiner hatten sie die flaschen stets griffbereit. alle zehn minuten machten sie einen kurzen halt und tranken die jeweilige flasche von der anderen person. irgendwie s\u00fcss, irgendwie wirkten sie aber auch sehr verklemmt. durch mein sehr langsames tempo heute hatten sie aber stets vorsprung und ich konnte die szene vor mir beobachten. h\u00e4tte sie gerne \u00fcberholt, aber hatte keine kraft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">obanos, ein dorf vor dem geplanten etappenziel, war dann schluss. ich konnte nicht mehr. zog alles ab und aus und ass mein mittagessen. viele wanderer zogen vorbei. w\u00fcrde ich hier mein zelt aufstellen? w\u00e4re francesco schon in puente la reina? ich raffe mich mit letzer kraft auf, gehe ein paar schritte. alles schmerzt. alles. ich laufe mit 10 km\/h weiter in der gl\u00fchenden mittagssonne. wir haben september. ich will mir nicht vorstellen, bei 40 grad durch die meseta zu stampfen. das muss die h\u00f6lle sein. ich versinke in eine tranceartige stimmung. werde st\u00e4ndig \u00fcberholt, es wollen alle einen schlafplatz. erreiche dann irgendwann puente la reina und die kirchliche herberge. meine g\u00fcte war das hart. 7 euro und ich darf mein zelt im garten aufstellen. blase meine isomatte auf, ziehe die schuhe aus. erst mal ein paar stunden schlafen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">francesco weckt mich auf. er hat es in die gleiche herberge geschafft. yas! danke f\u00fcrs wecken. ob paco uns heute wieder abf\u00fcllt fragen wir uns und lachen. gehe duschen und streife die einzige strasse entlang, die dieses dorf zu bieten hat. hier sind nur spanier*innen. ich mag die buden nicht, in denen nur die pilgernden mir ihren sportkleider sitzen. ein \u00e4lterer mann raucht eine zigarette nach der anderen und glotzt die ganze zeit auf mich. es scheint der treffpunkt des dorfes zu sein. ein spanier erscheint und singt laut vor sich hin. ein guter s\u00e4nger!! er h\u00e4lt sein baguette als luftgitarre, bleibt vor uns stehen und singt lauthalt weiter. die leute aus dem dorf klatschen. es ist sonntagnachmittag. wahnsinn. der verwirrte koreaner l\u00e4uft kurz sp\u00e4ter auf mich zu, sagt kurz hallo. er wirkt noch verwirrter als sonst. der typ scheint wie auf LSD zu sein die ganze zeit. scheint sehr zufrieden zu sein aber! nur zwei minuten sp\u00e4ter die grosse franzosin von josian, weiss den namen nicht. die hat im franz\u00f6sischen le puy angefangen. ist also schon \u00fcber einen monat unterwegs! sie zeltet auch im garten. ich lade sie aufs abendessen ein aber sie m\u00f6chte lieber alleine sein heute. sie scheint sehr sch\u00fcchtern, aber eine liebe person zu sein!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">laufe zur\u00fcck zur herberge, will mein zelt aufstellen bevor wir zu abendessen mit den m\u00e4nnern. francesco meint, es br\u00e4uchte kein zelt, es ist ja gutes wettsr. stimme zu. wir gehen r\u00fcber zum restaurant. paco und donovan sind schon dort. ein spanier gesellt sich hinzu. graues v-neck shirt, schwarzes cap verkehrt rum, silberkette um den hals. er h\u00e4lt die ganze zeit seinen vaporizer in der hand. passte irgendwie nicht ganz an den tisch. auch nicht auf den camino. paco erz\u00e4hlt mir, der typ sei ein weltber\u00fchmter youtuber. jetzt dreht er vermutlich seine videoepisoden auf dem weg. der camino ist halt auch ganz sch\u00f6n popkultur geworden. verschiedenste formate haben die leute inspiriert. viele amis haben anscheinend den film geschaut, der vor paar jahren rauskam. hab den nicht gesehen bisher. eine h\u00fcbsche junge italienerin ist noch dabei am tisch, alexia. sie ist superfit, ist immer eine der ersten in den herbergen. und hat nur schwarze kleider an. was lustig ist: sie rollt ihr R im italienischen als w\u00e4re es franz\u00f6sisch. kommt aus turin. ist ja nicht allzuweit von frankreich weg. wie in z\u00fcrich etwa ein viertel das R rollt weil es wom\u00f6glich mischformen aus der ostschweiz drin hat. der europ\u00e4ische sprachraum ist so verr\u00fcckt. und das baskisch hier in spanien erst! man hat noch nicht rausfinden k\u00f6nnen, woher die sprachabstammung anscheinend sei, da es nicht aus dem lateinischen oder arabischen kommt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">laufen zur\u00fcck. wiedermal die letzten. alle schon am schlafen. francesco und ich stellen dann trotzdem das zelt auf, sehen von weitem blitze hoch \u00fcber den bergen. ich bin todkaputt, mag nicht mehr stehen. und morgen wieder laufen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>heute war richtig hart. der mexikaner unter mir hat geschnarcht, dass man es beim pinkeln 50 meter weiter hinten noch h\u00f6rte. hab das d\u00fcmmste bett gekriegt. viel zu wenig geschlafen. um 5 uhr packen alle zusammen, ich ziehe mit. laufe um 6 durch das dunkle pamplona. einige betrunkene m\u00e4nner labern auf mich ein, verstehe sie 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