{"id":55,"date":"2022-09-02T12:08:00","date_gmt":"2022-09-02T12:08:00","guid":{"rendered":"https:\/\/mnbucher.com\/blog\/2022-camino-de-santiago\/?p=55"},"modified":"2024-07-07T03:52:16","modified_gmt":"2024-07-07T03:52:16","slug":"tag-4-larrasoana","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mnbucher.com\/blog\/2022-camino-de-santiago\/2022\/09\/02\/tag-4-larrasoana\/","title":{"rendered":"Tag 4: Larrasoa\u00f1a"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/mnbucher.com\/blog\/2022-camino-de-santiago\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/img_4679-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-54\" srcset=\"https:\/\/mnbucher.com\/blog\/2022-camino-de-santiago\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/img_4679-768x1024.jpg 768w, https:\/\/mnbucher.com\/blog\/2022-camino-de-santiago\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/img_4679-225x300.jpg 225w, 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schon jetzt loslaufen w\u00fcrde, das fr\u00fchst\u00fcck sp\u00e4ter nachhole und bis nach larrasoa\u00f1a \u2014 ein dorf weiter als zubiri \u2014 laufen m\u00f6chte bis am ende des tages. nach den ersten schritten durch den innenhof des klosters sp\u00fcrte ich den gestrigen abstieg durch das schwere gep\u00e4ck in den knien deutlich. rechne heute mit mehr pausen als gestern. die w\u00fcrden mich wom\u00f6glich eh einholen. donovan gab mir einen etwas traurigen blick zur\u00fcck. ob wir uns wohl wiedersehen die tage?<\/p>\n\n\n\n<p>im dunkeln lief ich um 6.30 weiter das tal abw\u00e4rts. keine f\u00fcnf minuten nach dem losmarsch holte mich eine d\u00e4nin in einem waldst\u00fcck ein. sie hatte die stirnlampe montiert und weiste uns den weg. meine war irgendwo im rucksack verstaut weshalb ich der gef\u00e4hrtin gerade sehr dankbar war. sie w\u00fcrde in pamplona vielleicht nach san sebastian reisen und zum camino norte wechseln, der weniger frequentiert ist. ich erz\u00e4hle ihr von der via de la plata, eine anspruchsvollere route welche mein reisef\u00fchrer lobte. wir erblicken nach einer halben stunde nach dem waldst\u00fcck eine bar, welche schon sehr fr\u00fch ge\u00f6ffnet zu sein scheint. es ist noch immer dunkel. knapp 20 pilgernde sitzen draussen. kaffee und fr\u00fchst\u00fcck holten jene nach, welche in roncesvalles keinen platz mehr \u00fcbrig hatten. ich holte mir ein sandwich, packte es ein f\u00fcr sp\u00e4ter und wollte gleich raus, so lief ich in fabio rein, einen italiener, der gestern beim abendessen ordentlich wein reingehauen hatte. er machte sich einen namen im lokal in dem er stehend und laut br\u00fcllend irgendwelche ansagen machte und st\u00e4ndig das halbvolle glas wein in die luft hob. und fast nicht mehr stehen konnte. kurliger typ. paco meinte gestern noch der w\u00fcrde nicht fr\u00fch aufm\u00f6gen. von wegen. ein earlybird. und scheint tiptop wohlauf zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>die d\u00e4mmerung setzt langsam ein, es wurde heller. rechts von mir die anh\u00f6hen der ausl\u00e4ufer der pyren\u00e4en. der weg schl\u00e4ngelt sich auf und absteigend abwechselnd durch schattige buchenw\u00e4lder und offenere passagen. schnappe mir ein k\u00e4ffchen und ein k\u00e4sesandwich in einer unbesuchten bar nach einiger zeit und erreiche nach knapp f\u00fcnf stunden ohne grosse pause schon zubiri, das offizielle ettappenziel. die mittagssonne beginnt langsam zu br\u00fchen. wasser ist leer und die beine sp\u00fcre ich deutlich. noch nicht fertig gelaufen f\u00fcr heute leider. zubiri w\u00e4re eh schon voll. keinen platz mehr hier zum schlafen und wir haben erst kurz vor 12. kaufe mir irgend so ein isogetr\u00e4nk \u2014 und weiter gings dem kleinen fluss entlang. muss mir den namen vom getr\u00e4nk merken, super trinkstoff. 5g zucker auf 100ml. passiere eine riesige magnesiumsfabrik zur rechten im tal unten. eine riesige fabrik. auf einer kleinen anh\u00f6he sitzt ein mann mit schnurrbart und weiss-schwarz gestreiftem langarmshirt und knabbert an seinem bocadillo. er tr\u00e4gt einen cowboy hut und hat die walking st\u00f6cke beiseite gestellt. filmreife szene. wir quatschen, er dr\u00fcckt mir die ecke seines angefangenen sandwiches in die hand. ein franzose. ist schon die dritte woche unterwegs, von irgendwo zwischen le puy und saint jean. josian heisst der mann. schosiann spricht man das aus. ein p\u00e4rchen aus japan stosst dazu, sie wollen nach pamplona noch am heutigen tag. nach pamplona?? ist bestimmt 40km f\u00fcr die heutige etappe von roncesvalles. sie meinten gestern ging tiptop, also ruhig mal paar kilometer draufpacken. chapeau. ich laufe weiter, josian bleibt zur\u00fcck auf dem b\u00e4nkchen. ein trinkbrunnen erscheint zwischen zwei h\u00f6usern in der vorpyren\u00e4ischen landschaft. die physiotherapeutin aus d\u00e4nemark stosst dazu, hatte sie zuvor auf dem weg nach zubiri getroffen. laufe weiter richtung larrasoa\u00f1a, knappe stunde wohl noch. der weg ist angenehm, mal asphalt, mal kiesweg. sp\u00fcre die anzeichen einer blase. nein. mehrere blasen. eigentlich an beiden f\u00fcssen. wanderschuhe einlaufen ohne blasen zu kriegen. geht das \u00fcberhaupt? da muss ich durch, die schuhe werden hoffentlich eingelaufen sein in ein paar tagen. hoffe morgen schmerzt es nicht zu fest. hab noch kein sporttape gesichtet in den apotheken in frankreich, nur blasenpflaster hab ich dabei. seither gab es keine apotheke auf dem weg. in larrasoa\u00f1a laufe ich \u00fcber eine alte steinbr\u00fccke. josian holt mich in der sekunde ein und wir suchen gemeinsam die st\u00e4dtische pilgerherberge. was hier kommt ist schwer in worte zu fassen aber allemal filmreif. der parcelss\u00e4nger l\u00e4uft uns entgegen, er nehme sich die andere herberge. bessere bewertung auf google maps. wir gehen ins geb\u00e4ude rein und durch einen schmalen flur in das pilgerb\u00fcro. ein fetter schwerer schreibtisch aus holz steht quer im abgedunkelten raum. daneben vier pilgernde am warten auf den st\u00fchlen. eine junge spanierin in dunklen haaren sitzt am schreibtisch und tippt in ihr handy und schreibt irgendwelche nachrichten auf whatsapp. parallel dazu pickt sie sporadisch den n\u00e4chsten wartenden gast und \u00fcbergibt ein freies bett. sie nimmt sich die zeit. ihr handy scheint aber mehr gewicht zu haben als die nasen vor ihr. sie mustert die leute jeweils kurz an. die szene sieht aus wie in einem bewerbungsgespr\u00e4ch f\u00fcr lehrpersonen. frau direktorin. la se\u00f1ora. mitte zwanzig. josian und ich gehen nach draussen warten. ziehen schuhe und die verschwitzten socken aus. joasin erz\u00e4hlt mir warum er den camino macht, was ihn bedr\u00fcckt. irgendwann sind wir dann an der reihe f\u00fcr die betten. duschen und w\u00e4sche machen. meine zimmergenoss*innen alles deutsche, ein junges p\u00e4rchen und ein ernsterer typ. wir sind alle etwa gleichen alters denke ich, so ende 20. ein supermercado soll es geben hier. ich laufe quer durch das kleine dorf. ein koreaner sucht verwirrt im dorf nach einer spezifischen herberge. ich zeige ihm den weg. war aber noch nie da. er lief mir einfach hinterher. eher durch zufall fand ich dann die herberge. lag auf dem weg zum supermarkt. der koreaner dankt mir. diese koreanische pilgervolk schaut immer so verwirrt aus, suchende blicke, unsichere schritte. lustige h\u00fcte haben die immer auf. verlegenes l\u00e4cheln. paco erz\u00e4hlte uns gestern dass die koreanischen studierenden ECTS punkte f\u00fcr ihr studium in korea kriegen wenn sie den weg machen. je h\u00e4rter desto mehr punkte. im winter bei schnee die pyren\u00e4en zu machen gebe am meisten punkte. letzten winter sei ein chinese auf dem pass verfroren. ob die auch punkte kriegen? der asiatische leistungsdruck ist gewaltig.<\/p>\n\n\n\n<p>der supermercado war dann eher eine mischung aus kiosk und bar. der besitzer ein belgier, hat seine frau auf dem weg kennengelernt und dann geheiratet. irgendwann sei der traum ein alberge aufzumachen, doch bis dann w\u00fcrde diese kioskbar als l\u00f6sung dienen. sie servieren durch die mikrowelle aufgew\u00e4rmte fertigmen\u00fcs als pilgermahl. ernsthaft? eine alternative gibt es im dorf nicht. ich packe mir ein paar jogh\u00fcrtchen und einen kaffee, lese das buch von kerkeling weiter. der kiosk ist gut besucht, ein dutzend pilgermenschen geniesst hier die ankunft im kleinen dorf. josian st\u00f6sst dazu. wir reden \u00fcber alles m\u00f6gliche draussen im halbschatten als bob aus dem laden kommt. beige wanderweste. weisser kinnbart. um die 120kg. t\u00e4ttowiert. sieht aus wie ein truck driver aus kentucky. fehlt noch die flinte. bob kommt aus rhode island. \u201eyou know it\u2018s not actually an island. don\u2018t ask me why it\u2018s called an island\u201c. drehe eine kurze runde um das dorf und setze mich im schatten an den kleinen fluss.<\/p>\n\n\n\n<p>hab mich mit dem grossen brasilianer und dem parcelss\u00e4nger zum abendessen verabredet auf 7 uhr in der kioskbar. josian st\u00f6sst dazu. ein b\u00e4rtiger typ kommt dazu, hat seinen fetten sch\u00e4ferhund dabei. biwakiert auf dem weg. er nennt sich papillon, ein k\u00fcnstlername. kann nur franz\u00f6sich, josian \u00fcbersetzt mir die w\u00f6rter die ich nicht kenne ins englische. neben mir ein deutscher, wohnt in genf, auf der durchfahrt von san sebastian zu einem weingut in l\u00e9on besucht er den besitzer des kiosks. wir haben eine gute und \u00e4usserst lustige runde. hatte im reisef\u00fchrer gelesen es w\u00e4ren mehr frauen auf dem camino als m\u00e4nner. davon war nicht so viel zu sp\u00fcren bisher. sowohl gestern und heute reine jungsrunden! die frauen sind eher \u00e4lteren alters. mindestens 50, eher \u00fcber 60 die meisten. viele franzosinnen und amerikanerinnen. vielleicht dr\u00fccken die die statistik hoch. das men\u00fc ist sensorisch eher ein tiefpunkt. aber die runde herzlich, die besitzer kommen zu uns an den tisch, z\u00fcnden sich eine zigarette an. sie kommt aus russland, hat den spanischen pass. sie w\u00fcrde lieber in frankreich die herberge aufmachen da dort das netz an unterk\u00fcnften noch nicht sehr hoch ist. aber in europa einen pass als russische staatsb\u00fcrgerin zu beantragen sei nicht die beste ausgabgslage derzeit. der deutsche neben mir hat den weg 2020 w\u00e4hrend covid gemacht. 50 leute am tag. im ganzen jahr waren weniger leute unterwegs als dieses jahr im august. josian sagt ich s\u00e4he aus wie eine figur aus tarantinos filmen. wir lachen laut. er doch genauso. muss mir auch so einen cowboyhut besorgen in pamplona, der look ist fantastisch. sein schwarzer schnurrbart steht im ausgezeichnet. ich frage ob wir uns morgen in pamplona sehen w\u00fcrden. er sagte er w\u00e4re morgen da, habe lust auf \u201ela fiesta\u201c. welche fiesta? ah nein kein bestimmtes fest, er will einfach hochsteil gehen am abend auf der plaza! \u201eyou know, vino, cerveza, la musique!\u201c sagt er hochmotiviert. hehe also gut! pamplona ruft morgen, die erste gr\u00f6ssere stadt auf dem weg. 3-4h fussmarsch. wir tauschen nummern aus, ich verabschiede mich.<\/p>\n\n\n\n<p>neben mir im bett an der wand h\u00f6re ich spanisches fernseheprogramm. eine oma wohnt mit ihrem enkel hier im oberen stock der pilgerherberge, hab sie kurz gesehen am nachmittag. quatsche in schlafsack noch mit den deutschen. sie wechseln in l\u00e9on auf den camino primitivo, geht von der nordk\u00fcste diagonal runter nach santiago. die letzten 200 kilometer seien komplett \u00fcberloffen meinten sie. k\u00f6nnte ich evtl auch machen wenn ich hier auf dem camino franc\u00e9s bleibe die n\u00e4chsten wochen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>heute hat noch fr\u00fcher angefangen. um 5 uhr begann das erste rascheln, wurde immer st\u00e4rker und lauter und war durch das beginnende zusammenpacken der pilger*innen hervorgerufen wurde. 5.15 uhr wurde das licht im schlafsaal angeknipst. was geht denn hier ab. ich blieb bis 6 uhr im halbschlaf liegen und 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